„Forum Industrie 4.0“

Konferenz am 16.09.2015
Hotel Holiday Inn, Brünn

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Industrie 4.0 in Tschechien einen riesigen Schritt vorangebracht – die DTIHK auf der Brünner MSV

Das hochaktuelle DTIHK-Jahresthema „Industrie 4.0 – rEvolution gestalten“ war Inspiration für die Veranstalter der Brünner Maschinenbaumesse, gemeinsam mit der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer als Hauptpartner, die digitale Vernetzung der Wirtschaft zum zentralen Thema der MSV zu erklären. Der Gemeinschaftsstand der DTIHK und wichtiger Partnerunternehmen war in der Halle A1 umgeben von Firmen mit innovativen digitalen Lösungen. Premier Sobotka dankte bei seinem Besuch der DTIHK für ihr intensives Engagement, das Thema in Tschechien auf die Agenda zu bringen. Die MSV nutzte auch der Minister für Industrie und Handel, Jan Mládek, um eine tschechische „Nationale Initiative Industrie 4.0“ anzukündigen. Zugleich brachten die DTIHK und ihre Partner mit der Fachkonferenz „Forum Industrie 4.0“ die Diskussion in Tschechien einen großen Schritt voran.

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Foto: DTIHK

 „Die Digitalisierung ist hier auf der Messe ein großes Thema“, so Premier Bohuslav Sobotka bei dem Besuch des DTIHK-Gemeinschaftsstandes. „Ich denke, dass ihre Kammer zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Thema gekommen ist. Und wir als Industrieland brauchen eine technologische Modernisierung“, fügte er hinzu und bedankte sich für die Initiative der Kammer. Die DTIHK präsentierte zusammen mit ihren Premiumpartnern Bosch Rexroth, ROI Management Consulting, Schunk Praha und Siemens ihr Jahresthema „Industrie 4.0 - rEvolution gestalten“ auf einem Gemeinschaftsstand in der Halle A1, die sich der integrierten und automatisierten Industrie widmete.

Das Unternehmen Schunk Praha nimmt Industrie 4.0 als Herausforderung und Chance wahr und betrachtet alle Projekte auch aus dem Blickwinkel 4.0, teilte der Geschäftsführer von Schunk Praha, Marcel Páter, mit. Die Firma Bosch Rexroth Tschechien machte die Messebesucher mit den Komponenten und Systemanwendungen für Industrie 4.0 vertraut, die sie selbst entwickelt hat und fortlaufend für ergänzt. Siemens stellte mit Hilfe eines sogenannten SmartTables die neueste interaktive Informationsanwendung vor, eine 360° Tour durch die Digitalisierung. Robert Beňačka, Geschäftsführer der tschechischen Niederlassung des ROI Management Consultings, brachte den Besuchern die „lean production“ näher. Ein außergewöhnliches Ausbildungszentrum, das es ermöglicht, praktische Erfahrungen mit neuen Technologien zu erwerben. Die konkrete Anwendbarkeit digitaler Kommunikation demonstrierten am Stand Vertreter der Technischen Universität Chemnitz und zwar über Tablet und Smartwatch.

Das wichtigste Ereignis des Begleitprogramms der MSV war die bisher größte Fachkonferenz „Forum Industrie 4.0“, welche die DTIHK im Rahmen ihres Jahresthemas organisierte. An der Konferenz beteiligten sich 150 Vertreter technologischer Firmen, Universitäten, Forschungsinstitute, Ministerien und Fachexperten. Dětřich Robenek von Bosch Rexroth stellte im Sinne von Industrie 4.0  die Firma als Nutzer und Lösungsanbieter vor. Die Firmenprodukte tragen ihre „DNA“ mit sich und ermöglichen eine individuelle Anpassung an spezifische Kundenwünsche und dezentrale Konzepte. Die Firma entwickelt beispielsweise ein Engineering-Software-System, das sogenannte „Open Core Engineering“, das neue Möglichkeiten für die Anpassung von Fertigungsprozessen bietet, die Geschwindigkeit und Effizienz erhöht und automatisierte Intelligenz steigert.

Wolfgang Weissler von der Firma Siemens erläuterte die Möglichkeiten des 3D-Drucks im intelligenten Fertigungsprozess. 3D-Druck und intelligente Fertigungsprozesse erhöhen unabhängig voneinander die Produktivität, verkürzen die Time to Market und erhöhen Flexibilität und Effizienz. Ihr Zusammenwirken öffnet neue Möglichkeiten in der Herstellung und schafft gleichzeitig neue Geschäftsmodelle. Intelligente Herstellung kann auf diese Weise die Produktion niedriger Stückzahlen zu relativ geringen Kosten gewährleisten. Den 3D-Druck nutzt Siemens zum Beispiel in den Bereichen Energie, Automotive, Medizintechnik, aber auch bei Alltagsprodukten wie Sitzeinrichtungen in Zügen. Wolfgang Weissler rechnet damit, dass die Technologie des 3D-Drucks in den kommenden Jahren auch in größeren Serien fortlaufend genutzt wird. Bei einer Halbierung der Kosten kann dabei bis zu vier Mal schneller produziert werden.

Die digitale Rechnung wird jedoch ohne den „Faktor Mensch“ nicht aufgehen. Fachkräfte brauchen künftig Kenntnisse sowohl in der Fertigung als auch im Umgang mit digitalen Steuerungsprozessen. Der Leiter der ŠKODA-Akademie, Carsten Brandes, richtete daher auf der Konferenz den Fokus auf die Frage, welche Veränderungen die digitale Vernetzung künftig für das Thema „Ausbildung und Fachkräfte“ mit sich bringt. Industrie 4.0 erfordert eine Veränderung des Bildungssystems, das die künftige Entwicklung viel mehr berücksichtigen muss. Neue Berufe werden entstehen. Arbeitnehmer müssen in Zukunft Kenntnisse in der Fertigung wie in digitalen Steuerungsprozessen haben. Gleichzeitig stellt es eine Herausforderung für jeden Einzelnen dar - entscheidend werden für die Mitarbeiter Flexibilität und Verständnis für komplexe Vorgänge sein. Die meisten der heutigen Studenten würden einer Arbeit nachgehen, die noch gar nicht existiere, betonte Carsten Brandes in seinem Vortrag.

Eine rege Diskussion gab es zum Kundenmanagement, seinen Chancen und Herausforderungen. Experten des Südmährischen Innovationszentrum (JIC) und der Firmen Trumpf und Brose diskutierten über die enorme Individualisierung und Flexibilisierung. Die individuellen Kundenwünsche gelangen in Echtzeit zur Produktionslinie und können unmittelbar umgesetzt werden, und zwar für den Preis einer Großserienproduktion. Der „digitalisierte“ Kunde wird über virtuelle Kanäle zum direkten Zuschauer der Produktion. Lager und Lieferanten werden – ebenso in Echtzeit - über den aktuellen Auftragsstand informiert und reagieren automatisch.

Matthias Putz stellte auf der Konferenz die moderne E3-Forschungsfabrik des Fraunhofer-Instituts IWU vor. Ihre Grundlage ist ein Produktionskonzept aus Energiesparender Technologie, Effizienter Fabrik und dem Erfolgsgaranten Mensch. Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Erforschung von Technologien für Powertrain und Karosseriekomponenten sowie für eine ressourceneffiziente Produktion.

Die Voraussetzung für die Einführung von neuen Technologien im Sinne Industrie 4.0 ist eine neue Netz-Infrastruktur. Milan Hába von T-Mobile stellte auf der Konferenz das Netz für das Internet der Dinge Sigifox vor, dessen Start in der Tschechischen Republik für das Jahr 2016 geplant ist. Eine enorme Signalreichweite, eine sehr gute Durchdringung von Gebäuden und eine sehr hohe Zuverlässigkeit kennzeichnen das neue Netz.

Die Konferenzteilnehmer waren sich einig: In den nächsten Jahren geht es vor allem darum, das Potenzial von Industrie 4.0 optimal zu nutzen und die notwendige Sicherheit zu gewährleisten. Über die Nutzung und Risiken von Big Data diskutierten Experten wie der SAP-Geschäftsführer Roman Knap, Vladimír Mařík von der Technischen Universität Prag (ČVUT) und Björn Bothur von SYSTEMA Systementwicklung GmbH. Komplexe Systeme auf der Basis von Software-Lösungen und Internet sind leicht verwundbar und könnten zur Achillesferse der digitalen Vernetzung werden. Datenspeicherung, aber ebenso die Frage, wem die Daten gehören, die auch vom Kunden selbst erzeugt werden, sind Kernprobleme. Wer darf sie speichern, analysieren und zur Optimierung seiner Geschäftstätigkeit nutzen?

„Die Konferenz ´Forum Industrie 4.0´ war ein voller Erfolg und hat zahlreiche Aspekte beleuchtet, die bei der Entwicklung einer ´Strategie Industrie 4.0´ in Tschechien sicher Berücksichtigung finden werden“, erklärte Bernard Bauer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DTIHK.