Schwerpunktthemen der DTIHK

Nachstehend stellen wir Ihnen die wirtschaftspolitischen Schwerpunktthemen der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer in Kurzform vor. Diese Themen resultieren aus den alljährlichen Konjunkturumfragen der DTIHK über die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Tschechien. DTIHK-Mitglieder und viele weitere deutsche und tschechische Unternehmen und Investoren sehen laut den Umfragen den größten Handlungsbedarf in diesen Bereichen. Daher engagiert sich die DTIHK für diese Themen in ihrer politischen und Öffentlichkeitsarbeit und versucht sie bei Politik und Verwaltung mit konkreten Verbesserungsvorschlägen zu positionieren.

Praxisorientierte Berufsausbildung

Die Unternehmen bemängeln bereits seit vielen Jahren ein Defizit an qualifizierten Berufsschul-Absolventen. Das betrifft insbesondere technische Berufe. Kritisiert wird, dass die Ausbildung an den Fachschulen nicht hinreichend praxisorientiert ist, die Lehrpläne und Berufsprofile veraltet sind, die Zahl der Schüler/Studenten in den technischen Fachgebieten stagniert usw. Die demographische Entwicklung zeigt zudem, dass die technisch gebildete Generation aus dem Berufsleben ausscheidet und ihre Erfahrungen nicht mehr an den Nachwuchs weitergeben kann.

Die Unternehmen müssen immer mehr Zeit und Mittel in die Einarbeitung von Berufs- und Fachschulabsolventen und in die Vertiefung ihrer Qualifikation investieren. Der steigende Fachkräftemangel gefährdet die Wettbewerbs­fähigkeit Tschechiens insbesondere in dessen Schlüsselsektor Industrie und damit die Anziehungskraft Tschechiens für weitere Investoren.

Die DTIHK weist die politischen Vertreter bereits seit vielen Jahren auf die Vorteile eines kooperativen, sich am dualen System in anderen Ländern orientierenden Bildungssystems hin. Sie hat in diesem Zusammenhang verschiedene Aktivitäten auf den Weg gebracht. Ebenso unterstützt die DTIHK alle Ansätze zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Firmen.

» Positionspapier der DTIHK (pdf, 300 kB)

» Brief an Premier Sobotka: DTIHK fordert erneut, Reform des Ausbildungssystems einzuleiten (22.06.2015)

Stärkung der Rechtssicherheit

Unternehmen und renommierte internationale Organisationen beurteilen die Rechtssicherheit in Tschechien kritisch. Häufige und teils sehr kurzfristige Gesetzesänderungen, schleppende Gerichtsverfahren, die fehlende Durchsetzbarkeit der Gerichtsentscheidungen und Rücküberprüfung rechtskräftiger Entscheidungen im Steuerverfahren bewirken ein sinkendes Vertrauen in das Recht. Langfristige Investitionsentscheidungen werden dadurch unberechenbar. Die Durchsetzung des Rechts ist sehr zeit- und kostenintensiv.

Die DTIHK schlägt unter anderem vor, die Durchsetzung des Rechts durch das Appellationsprinzip zu stärken, Entscheidungen im Steuerverfahren nur in begründeten Ausnahmefällen überprüfen zu dürfen oder gesetzliche Fristen für die Klagezustellung einzuführen (Verfahrensbeschleunigung).

Von grundlegender Bedeutung für jeden Investor ist auch eine gewisse Sicherheit, dass die Investition unter den Bedingungen durchgeführt werden kann, die dem Investor zum Entscheidungszeitpunkt bekannt waren. Prinzipielle und unerwartete Gesetzesänderungen beschädigen das Bild Tschechiens im Ausland und belasten die tschechischen Steuerzahler direkt, z.B. durch Entschädigungszahlungen, die Investoren in internationalen Schiedsverfahren zuerkannt werden.

» Offener Brief zum Marktmachtgesetz und seine Novelierung (10.11.2014)

Gute Bedingungen für Forschung & Entwicklung

Tschechien besitzt auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung großes Potential, das von zahlreichen deutschen Firmen bereits genutzt wird. Der Schlüssel zur Sicherung und Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Tschechiens liegt in der Innovationstätigkeit der Firmen.

Wichtigste Innovationsquelle in den Unternehmen sind fachlich geschulte und erfahrene Mitarbeiter, von denen es auf dem Arbeitsmarkt allerdings immer weniger gibt (siehe Punkt „Fachausbildung“). Ebenso ist ein Umfeld für eine engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Forschungsinstitutionen und Unternehmen zu schaffen, das es erlaubt, Technologien zu transferieren sowie wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse gegenseitig auszutau­schen.

Die DTIHK unterstützt Kontaktanbahnung, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen, For­schungs­­instituten und dem Staat, den Austausch von Erfolgsbeispielen und die Schaffung grenzüberschreitender Projekte. Unserer Meinung nach wäre es notwendig, die gezielte Bildung von Competence Centern (Clustern) voranzutreiben, wettbewerbsfördernde Strukturen auch bei Forschung und Entwicklung einzuführen und die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation auf Seiten des Staates konsequent auf künftige Wachstumspotentiale auszurichten.


 » Brief an Premier Sobotka zu Intensivierung der F & E (14.05.2015)

Transparenz, fairer Wettbewerb und Integrität

Die Unternehmen kritisieren bereits seit vielen Jahren die Praxis bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, fehlende Transparenz und Korruption in Tschechien. Es darf nicht sein, dass ordentlich und verantwortungsvoll handelnde Unternehmen im Wettbewerb benachteiligt werden. Staat und Regierung haben hier für einen entsprechenden rechtlichen Rahmen sowie für die erforderliche Transparenz und konsequentes Handeln zu sorgen.

Die Unternehmen sollten allerdings ihrerseits nicht nur auf größere Transparenz pochen und sich über Korruption beklagen, sondern auch selbst aktiv zeigen, wie sie durch ehrliches Handeln zu größerer Transparenz und fairem Wettbewerb beitragen. Entscheidend ist, dass nicht nur die Phase der Auftragsvergabe, sondern die gesamte Projektdauer incl. Anschlussaufträge transparent sind bzw. bleiben.

Die DTIHK setzt sich für die Einhaltung der Regeln eines transparenten und fairen Wettbewerbs ein und ermuntert ihre Mitgliedsfirmen und andere Unternehmen, sich im Rahmen einer Selbstverpflichtung und einer Collective Action für Transparenz und Fairness und gegen Korruption einzusetzen.